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Fieber beim Hund erkennen und richtig handeln

Autorin: Helena, Veterinärmedizinerin Juli 2026

Dein Hund ist auf einmal schlapp und lethargisch, er mag nicht mit spazieren gehen und fressen tut er auch nur mit langen Zähnen. Beim Aufstehen sieht er aus wie ein Oldie. Was fehlt dem vierbeinigen Freund bloß? Beim Tierarzt lässt sich schnell feststellen: Dein Hund hat eine Körpertemperatur von 40,2 °C, also Fieber. Aber wie genau entsteht Fieber beim Hund, was kann dahinterstecken und wie kannst du schon zu Hause Massnahmen ergreifen?

Das Wichtigste zusammengefasst:

  • Ab 39,5 °C: Bei einem erwachsenen Hund in Ruhe beginnt Fieber ab etwa 39,5 °C. Normal sind 37,5 bis 39,0 °C, ab 41 °C wird es zum Notfall.
  • Nur rektal messbar: Sicher erkennst du Fieber nur, indem du die Temperatur mit einem digitalen Thermometer rektal misst. Eine warme Nase sagt nichts aus.
  • Typische Anzeichen: Apathie, Appetitlosigkeit, vermehrter Durst, schnelle Atmung und Bewegungsunlust deuten auf Fieber hin.
  • In Ruhe messen: Stress, Hitze und Bewegung heben die Temperatur kurzfristig an. Das ist noch kein Fieber. Miss erst, wenn dein Hund zur Ruhe gekommen ist.
  • Keine Humanmedikamente: Paracetamol und Ibuprofen sind für Hunde giftig. Gib niemals eigenmächtig Fiebersenker aus der Humanapotheke.
  • Wann zum Tierarzt: Bei über 40 °C, gestörtem Allgemeinbefinden, sehr jungen oder alten Hunden und Fieber über mehrere Tage gehört dein Hund in die Praxis.

Welche Temperatur hat ein Hund normalerweise?

Die normale Körpertemperatur eines erwachsenen Hundes liegt in Ruhe zwischen 37,5 und 39,0 °C, also etwas höher als beim Menschen. Von Fieber spricht man beim ausgewachsenen Hund ab etwa 39,5 °C. Ab 41 °C handelt es sich um hohes Fieber, das schnell gefährlich werden kann. Der Bereich dazwischen, 39,0 bis 39,5 °C, gilt als leicht erhöht und ist oft noch kein Grund zur Sorge.

39,5 °C
Ab hier spricht man beim erwachsenen Hund in Ruhe von Fieber

Damit du die Werte schnell einordnen kannst, hier die Temperatur-Skala beim Hund auf einen Blick:

Bereich Temperatur Bedeutung
Normal 37,5–39,0 °C Gesunde Körpertemperatur in Ruhe
Erhöht 39,0–39,5 °C Grenzbereich, oft nach Aufregung, Hitze oder Bewegung
Fieber ab 39,5 °C Beobachten, Ursache im Blick behalten, Allgemeinbefinden prüfen
Hohes Fieber ab 41,0 °C Notfall, sofort tierärztlich abklären lassen

Ein paar Werte weichen davon ab: Welpen und junge Hunde haben eine leicht höhere Körpertemperatur, bei ihnen sind bis zu 39,5 °C normal. Kleine Rassen liegen tendenziell am oberen Rand des Normalbereichs, große Rassen eher am unteren. Wichtig ist außerdem: Aufregung, Hitze, Sport oder Stress heben die Temperatur vorübergehend um bis zu 1 °C an, ganz ohne dass Fieber vorliegt. Eine große Auswertung an fast 10.000 Hunden bestätigt den Normalbereich mit 37,7 bis 39,5 °C,[1] und auch der internationale Merck Veterinary Manual ordnet echtes Fieber dem Bereich von 39,5 bis 41,1 °C zu.[2] Miss deshalb immer erst, wenn dein Hund zur Ruhe gekommen ist, idealerweise 15 bis 20 Minuten nach Bewegung.

Hund wird beim Tierarzt untersucht

Wie entsteht Fieber?

Fieber ist keine eigenständige Krankheit, sondern eine gezielte Abwehrreaktion: Der Körper hebt seine Temperatur aktiv an, um Krankheitserreger zu bekämpfen. Ausgelöst wird das durch Entzündungsmediatoren, die den Temperatur-Sollwert im Wärmezentrum des Gehirns höher stellen. Die erhöhte Temperatur unterstützt dann die körpereigenen Abwehrmechanismen, gerade bei Infektionen ist das eine natürliche und sinnvolle Reaktion.

Bei einer Erhöhung der Körpertemperatur muss echtes Fieber immer von einer Hyperthermie unterschieden werden, die zum Beispiel bei einem Hitzschlag entsteht. Der Unterschied ist entscheidend, weil beide völlig anders behandelt werden:

Echtes Fieber

Der Körper erhöht seine Temperatur aktiv zur Bekämpfung von Erregern. Der Sollwert wird bewusst höher gestellt. Kühlen von außen arbeitet gegen den Körper.

Hyperthermie

Die Temperatur steigt durch äußere Einflüsse wie Hitze, Anstrengung oder Stress über den Sollwert. Der Körper versucht erfolglos gegenzusteuern. Ein Hitzschlag ist ein Notfall.

Für den Alltag heißt das: Ist dein Hund nach einem langen Spaziergang bei Sommerhitze warm, aber ansonsten munter, ist das meist harmlose Wärme, kein Fieber. Wirkt er dagegen ohne äußeren Anlass schlapp und heiß, lohnt sich der Griff zum Thermometer.

Symptome & Fieber richtig messen

Fieber erkennst du beim Hund an einer Kombination aus Verhaltensänderungen: Er wirkt apathisch, frisst schlecht, trinkt oft viel und mag sich kaum bewegen. Sicher bestätigen lässt sich Fieber aber nur durch das Messen der Körpertemperatur. Diese Anzeichen sprechen häufig für Fieber:

  • Apathie und Schwäche, dein Hund ist ungewöhnlich still
  • Appetitlosigkeit, er frisst nicht oder nur zögerlich
  • Bewegungsunlust, manchmal auch Gliederschmerzen
  • Erhöhte Atem- und Pulsfrequenz
  • Vermehrter Durst
  • Eventuell Schüttelfrost oder Zittern
  • Manchmal trockener und fester Fieberkot

Es ist sinnvoll, immer dann die Temperatur zu messen, wenn dir dein Hund aus nicht ganz erklärlichen Gründen komisch vorkommt. Oft steckt dann tatsächlich Fieber dahinter. Kommt zusätzlich Husten oder deutliche Schwäche dazu, gehört dein Hund zeitnah in tierärztliche Hände.

So misst du Fieber beim Hund richtig

Zuverlässig geht das nur rektal, mit einem digitalen Fieberthermometer. Ohr- oder Stirnthermometer sind für Hunde deutlich ungenauer. So gehst du Schritt für Schritt vor:

  1. Ein digitales Fieberthermometer bereitlegen, am besten mit flexibler Spitze. Ein handelsübliches Modell aus der Apotheke reicht.
  2. Die Spitze mit etwas Vaseline, Kokosöl oder Gleitgel einreiben.
  3. Eine zweite Person bitten, den Hund zu halten, zu streicheln und abzulenken.
  4. Den Schwanz sanft anheben und das Thermometer 2 bis 3 cm rektal einführen. Schalte es erst an, wenn es platziert ist.
  5. Warten, bis das Thermometer piept, das dauert rund 30 bis 60 Sekunden, dann den Wert ablesen.
  6. Danach loben und belohnen, damit die Prozedur beim nächsten Mal leichter fällt.

Ohne Thermometer lässt sich Fieber nicht sicher feststellen. Eine warme, trockene Nase ist dafür kein verlässliches Zeichen. Übe das Messen am besten, wenn dein Hund gesund ist, dann ist es im Ernstfall kein Kampf. Ein Thermometer gehört übrigens in jeden Erste-Hilfe-Koffer für den Hund.

Ursachen für Fieber beim Hund

Fieber ist fast immer ein Symptom, kein eigenständiges Problem. Am häufigsten steckt eine Infektion dahinter, daneben kommen Entzündungen, Immunerkrankungen, Tumoren, Impfreaktionen oder Vergiftungen infrage. Erst wenn das Fieber über mehrere Tage anhält oder sehr hoch ansteigt, wird es selbst gefährlich. Die häufigsten Ursachen im Überblick:

  • Infektionserkrankungen: zum Beispiel Atemwegsinfekte, Mittelmeerkrankheiten wie Babesiose oder Leishmaniose, Leptospirose, Parvovirose oder Tollwut
  • Entzündliche Erkrankungen: zum Beispiel Abszesse, Gebärmuttervereiterung, Prostata-Entzündung, Hirnhautentzündung
  • Immunbedingte Geschehen: zum Beispiel autoimmunvermittelte hämolytische Anämie, Lupus, Polyarthritis
  • Tumorerkrankungen
  • Medikamentennebenwirkungen oder Vergiftungen
  • Impfreaktionen: leichtes Fieber für ein bis zwei Tage nach einer Impfung ist normal
  • Idiopathisches Fieber: kann in seltenen Fällen auch ohne erklärliche Ursache auftreten

Weil die Bandbreite so groß ist, lässt sich die genaue Ursache zu Hause meist nicht bestimmen. Genau deshalb ist wiederkehrendes oder hohes Fieber immer ein Fall für die Tierarztpraxis. Wie wir bei HEY HOLY mit Tierärztinnen an fundierten Gesundheitsthemen arbeiten, kannst du auf unserer Seite zur Wissenschaft nachlesen.

Kranker Hund liegt ruhend auf einem Bett

Was kann ich gegen Fieber beim Hund tun?

Bei leichtem Fieber und stabilem Allgemeinbefinden kannst du deinen Hund zunächst zu Hause beobachten und unterstützen: viel frisches Wasser, Ruhe und ein kühler, ruhiger Rückzugsort. Steigt das Fieber oder geht es deinem Hund sichtbar schlecht, gehört er in die Tierarztpraxis. Diese Maßnahmen helfen zu Hause:

  • Immer frisches Wasser bereitstellen, damit dein Hund ausreichend trinkt
  • Für Ruhe sorgen und einen kühlen, angenehmen Platz anbieten
  • Kühle, feuchte Umschläge an Pfoten und Bauch legen können Linderung verschaffen
  • Nur kurze Wege, nichts Anstrengendes, viel Schlaf zulassen
  • Die Temperatur regelmäßig nachmessen, um Veränderungen früh zu bemerken

Kühlen von außen ersetzt außerdem keine Ursachensuche. Es lindert nur, während die eigentliche Erkrankung weiter besteht. Behalte deinen Hund deshalb gut im Blick und zögere im Zweifel nicht, in der Praxis anzurufen.

Wann zum Tierarzt?

Bleibt das Fieber über mehr als einen Tag bestehen, steigt es über 40 °C oder ist das Allgemeinbefinden deutlich gestört, solltest du unbedingt tierärztlichen Rat einholen. Ab 41 °C ist es ein Notfall. Bei sehr jungen, sehr alten oder chronisch kranken Hunden solltest du früher reagieren, weil sie schneller in einen kritischen Zustand geraten.

In der Praxis erhält dein Hund je nach Situation fiebersenkende und entzündungshemmende Medikamente, bei Bedarf auch ein Antibiotikum oder ein Immunsuppressivum. Um die Ursache zu finden, wird meistens ein Blutbild gemacht, oft auch ein Bauchultraschall oder ein Röntgenbild. Wiederkehrendes oder hohes Fieber sollte in jedem Fall abgeklärt werden.

Häufige Fragen

Ab wann hat ein Hund Fieber?

Bei einem erwachsenen Hund in Ruhe beginnt Fieber ab etwa 39,5 °C. Die normale Körpertemperatur liegt zwischen 37,5 und 39,0 °C, der Bereich von 39,0 bis 39,5 °C gilt als leicht erhöht. Ab 41 °C spricht man von hohem Fieber, das ein Notfall ist.

Wie erkenne ich Fieber beim Hund ohne Thermometer?

Sicher gar nicht. Eine warme Nase oder heiße Ohren sind unzuverlässig. Anzeichen wie Apathie, Appetitlosigkeit, vermehrter Durst und schnelles Atmen können auf Fieber hindeuten, Gewissheit bringt aber nur die rektale Messung mit einem digitalen Thermometer.

Darf ich meinem Hund Paracetamol oder Ibuprofen geben?

Nein. Paracetamol und Ibuprofen sind für Hunde giftig und können schwere Vergiftungen sowie Leber- und Nierenschäden auslösen. Gib niemals eigenmächtig Humanmedikamente. Fiebersenker gehören ausschließlich in tierärztliche Hände.

Ist eine warme, trockene Nase ein Zeichen für Fieber?

Nein. Die Feuchtigkeit der Nase schwankt ganz normal, zum Beispiel nach dem Schlafen oder bei trockener Heizungsluft. Eine warme Nase ist also kein verlässlicher Fieber-Indikator. Nur das Messen der Körpertemperatur gibt dir Sicherheit.

Welche Temperatur ist bei Welpen normal?

Welpen und junge Hunde haben eine leicht höhere Körpertemperatur, bei ihnen sind bis zu 39,5 °C normal. Weil ihr Immunsystem noch nicht ausgereift ist, machen sie öfter fiebrige Infekte durch. Bei Welpen solltest du bei Fieber lieber früher als später tierärztlichen Rat einholen.

Wie kann ich das Fieber meines Hundes zu Hause senken?

Bei leichtem Fieber helfen viel frisches Wasser, Ruhe, ein kühler Platz und kühle, feuchte Umschläge an Pfoten und Bauch. Halte die Wege kurz und miss regelmäßig nach. Verwende niemals Humanmedikamente. Steigt die Temperatur über 40 °C oder geht es deinem Hund schlecht, gehört er in die Praxis.

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Unser Fazit

  1. Normal sind 37,5 bis 39,0 °C. Fieber beginnt beim erwachsenen Hund in Ruhe ab etwa 39,5 °C, ab 41 °C wird es zum Notfall.
  2. Sicher erkennst du Fieber nur durch rektales Messen mit einem digitalen Thermometer. Nase und Ohren sind keine verlässlichen Anzeiger.
  3. Miss immer in Ruhe: Stress, Hitze und Bewegung heben die Temperatur ganz natürlich an, ohne dass Fieber vorliegt.
  4. Typische Anzeichen sind Apathie, Appetitlosigkeit, vermehrter Durst und Bewegungsunlust. Fieber ist meist das Symptom einer Infektion oder Entzündung.
  5. Gib niemals Humanmedikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen. Bei leichtem Fieber helfen Wasser, Ruhe und kühle Umschläge.
  6. Ab 40 °C, bei gestörtem Allgemeinbefinden oder bei sehr jungen und alten Hunden gehört dein Hund in die Praxis. Im Zweifel lieber einmal zu früh anrufen als zu spät. 🐾

Über die Autorin

Helena Bröring-Veith (Med. Vet.) ist Tierärztin im HEY HOLY Team. Als fachliche Reviewerin begleitet sie Inhalte rund um Tiergesundheit und Ernährung und sorgt dafür, dass medizinische Aussagen korrekt und praxisnah sind. Mehr über das Team erfährst du auf unserer Über-uns-Seite.

Quellen

  1. Dorn E, Bogedale K, Pankraz A, Neiger R. Calculation of a Reference Interval for Rectal Temperature in Adult Dogs Presenting for Veterinary Care Using an Algorithm for Mixed Data. Animals (Basel). 2024;14(13):1970. Zur Studie
  2. Allen AJ. Fever of Unknown Origin in Dogs. Merck Veterinary Manual, Reviewed 2024. Zum Artikel