Größe, Gewicht & Lebenserwartung
Rüden
- 27–36 kg
- 43–51 cm
- 9–14 Jahre
Hündinnen
- 22–30 kg
- 40–48 cm
- 9–14 Jahre
Herkunft & Geschichte
Trotz ihres Namens stammt die Old English Bulldog nicht aus England, sondern aus den USA. Der amerikanische Züchter David Leavitt begann 1971 in Pennsylvania mit einem gezielten Rückzüchtungsprogramm. Sein Ziel: eine Bulldogge, die dem athletischen, robusten Typ des frühen 19. Jahrhunderts entspricht – bevor die Rasse durch Showzucht zunehmend gesundheitliche Probleme entwickelte. Für sein Programm nutzte Leavitt die Richtlinien eines Rinderzuchtprogramms der Ohio State University und kreuzte Englische Bulldoggen mit American Bulldogs, Bullmastiffs und American Pit Bull Terriern.
Das Ergebnis war eine Bulldogge mit längerer Schnauze, weniger Hautfalten, längeren Beinen und einer geraden, unkomplizierten Rute – kurz: ein deutlich gesünderer und beweglicherer Hund. Leavitt züchtete selbst bis 1995, danach übernahmen andere Züchter die Weiterentwicklung. Ab 2006 trennten sich einige Züchter unter der Bezeichnung „Leavitt Bulldog" vom Hauptstrom, da sie den Standard als zu weit vom Original entfernt empfanden.
Seit dem 1. Januar 2014 ist die Old English Bulldog vom amerikanischen UKC (United Kennel Club) als eigenständige Rasse anerkannt. Eine Anerkennung durch die FCI (Fédération Cynologique Internationale) liegt bislang nicht vor. In der Schweiz entstand durch Kreuzung von Englischer Bulldogge und OEB eine weitere verwandte Rasse – der Continental Bulldog, der inzwischen von der FCI vorläufig anerkannt ist.
Charakter & Wesen
Die Old English Bulldog ist ein freundlicher, selbstbewusster Hund, der sich eng an seine Familie bindet. Sie ist verspielt, unternehmungslustig und hat eine charmante Art, die viele Hundeeltern sofort begeistert. Hinter dem muskulösen Äußeren steckt ein menschenbezogener Vierbeiner, der seine Familie liebt und am liebsten überall mit dabei ist. OEBs sind für ihren Humor bekannt – sie können echte Clowns sein und bringen ihre Menschen regelmäßig zum Lachen.
Gleichzeitig ist die Rasse für ihren Eigensinn bekannt. Old English Bulldogs sind intelligent und haben eine hohe Auffassungsgabe, treffen aber gern eigene Entscheidungen. Wer einen Hund mit ausgeprägtem „Will-to-please" sucht, ist bei der OEB nicht richtig. Stattdessen braucht es ruhige, souveräne Führung und eine konsequente Erziehung – immer mit positiver Verstärkung und ohne Härte. Druck und laute Kommandos sind bei dieser Rasse kontraproduktiv.
Gegenüber Kindern zeigt sich die Old English Bulldog geduldig und verspielt, allerdings sollten die Kinder schon etwas älter sein. Die muskulösen Hunde spielen sehr körperbetont und sind dabei nicht immer feinfühlig. Gegenüber Fremden kann die OEB anfangs misstrauisch reagieren – sie hat einen ausgeprägten Beschützerinstinkt. Eine frühe Sozialisation mit Menschen, anderen Hunden und verschiedenen Umweltreizen ist deshalb besonders wichtig. Gut sozialisiert kommt die Old English Bulldog in der Regel auch mit anderen Haustieren zurecht.
Gesundheit & rassetypische Besonderheiten
Die Old English Bulldog gilt dank der gezielten Rückzüchtung als deutlich gesünder und robuster als die Englische Bulldogge. Ihr athletischer Körperbau mit längeren Beinen, einer weniger verkürzten Schnauze und reduzierten Hautfalten ermöglicht ihr ein aktives, bewegliches Leben. Dennoch gibt es einige gesundheitliche Prädispositionen, die du kennen solltest.
Zu den häufigeren Erkrankungen bei der Old English Bulldog gehören Hüftdysplasie (HD) und Ellbogendysplasie (ED) – also Fehlbildungen der Gelenke, bei denen Gelenkpfanne und Knochen nicht optimal zusammenpassen. Auch Kreuzbandrisse kommen bei dieser bewegungsfreudigen Rasse vor, oft begünstigt durch das hohe Körpergewicht in Kombination mit abrupten Richtungswechseln beim Spielen. Tierärzt:innen empfehlen, die Gelenke bereits beim Welpen röntgen zu lassen und auf moderate Belastung während der Wachstumsphase zu achten.
Obwohl die Brachyzephalie – also die rassebedingt verkürzte Schnauze – bei der OEB deutlich weniger ausgeprägt ist als bei der Englischen Bulldogge, kann sie bei Hunden aus weniger sorgfältigen Zuchtlinien noch ein Thema sein. Achte bei der Züchterwahl darauf, dass die Elterntiere frei atmen können und keine Atemgeräusche in Ruhe zeigen. Die noch vorhandenen Hautfalten, insbesondere am Hals und im Gesicht, sollten regelmäßig gereinigt und trocken gehalten werden, um Hautfaltenentzündungen (Intertrigo) vorzubeugen. Auch Allergien und Augenprobleme wie der Nickhautdrüsenvorfall (Cherry Eye) können bei der OEB auftreten. Regelmäßige tierärztliche Vorsorgeuntersuchungen sind daher empfehlenswert.
Ernährung
Die Old English Bulldog hat als muskulöser, aktiver Hund einen vergleichsweise hohen Energiebedarf – gleichzeitig neigt sie bei zu wenig Bewegung oder zu großen Portionen zu Übergewicht. Eine angepasste Ernährung mit kontrollierter Portionsgröße ist daher besonders wichtig. Übergewicht belastet die ohnehin anfälligen Gelenke zusätzlich und kann Gelenkerkrankungen wie HD oder ED verschlimmern.
Aufgrund der Prädisposition für Gelenkprobleme profitiert die OEB von Futter, das knorpelaufbauende Zusatzstoffe wie Glucosamin, Chondroitin und Omega-3-Fettsäuren enthält. Studien zeigen, dass diese Nährstoffe die Gelenkgesundheit positiv unterstützen können. Da einige Old English Bulldogs zu Futtermittelunverträglichkeiten und Hautproblemen neigen, kann eine Monoprotein-Rezeptur – also Futter mit nur einer tierischen Proteinquelle – sinnvoll sein, um Allergene leichter zu identifizieren. Getreidefreies Futter wird von vielen Tierärzt:innen für empfindliche Hunde empfohlen. Gerade im Welpenalter sollte die Ernährung nicht zu energiereich sein, um ein zu schnelles Wachstum und damit verbundene Gelenkbelastungen zu vermeiden.
Haltung & Beschäftigung
Die Old English Bulldog ist trotz ihres massiven Erscheinungsbilds ein überraschend beweglicher und unternehmungslustiger Hund. Sie braucht täglich ausreichend Bewegung – kurze, aktive Spaziergänge, Spieleinheiten und geistige Auslastung halten sie fit und ausgeglichen. Bei ausreichend täglichem Auslauf kann die OEB auch in einer Wohnung gehalten werden, sofern du genug Zeit für gemeinsame Aktivitäten mitbringst. Da sie kein Einzelgänger ist, sollte sie nicht über längere Zeit allein gelassen werden.
Sie eignet sich besonders für:
- Aktive Familien mit älteren Kindern, die einen robusten, verspielten Begleiter suchen
- Erfahrene Hundeeltern, die eine konsequente, aber liebevolle Erziehung bieten können
- Suchspiele, Nasenarbeit und leichtes Agility-Training als geistige und körperliche Auslastung
- Menschen mit Haus und Garten, die dem Hund Bewegungsfreiraum bieten – Wohnungshaltung ist aber möglich
Beachte, dass die OEB bei extremen Temperaturen empfindlich reagieren kann. Durch das kurze Fell und die fehlende Unterwolle ist sie sowohl hitze- als auch kälteempfindlich. Vermeide intensive Belastung an heißen Tagen und schütze deinen Vierbeiner im Winter bei niedrigen Temperaturen. Beim Toben und Spielen solltest du zudem auf abrupte Richtungswechsel und Sprünge achten – das hohe Körpergewicht in Kombination mit dem Bewegungsdrang kann zu Bänderverletzungen führen.
Vorteile der Old English Bulldog
- Gesündere Bulldogge: Im Vergleich zur Englischen Bulldogge verfügt die OEB über einen deutlich sportlicheren Körperbau mit längerer Schnauze und weniger Hautfalten – das reduziert viele der typischen gesundheitlichen Einschränkungen.
- Treuer Familienbegleiter: Die Old English Bulldog bindet sich eng an ihre Familie, ist verspielt, geduldig und bringt mit ihrem charmanten Wesen und Humor viel Freude in den Alltag.
- Athletisch und beweglich: Anders als die klassische Bulldogge ist die OEB agil, ausdauernd und freut sich über gemeinsame Aktivitäten – vom ausgedehnten Spaziergang bis zum Apportieren.
- Pflegeleichtes Fell: Das kurze, glatte Fell benötigt nur wenig Pflege. Wöchentliches Bürsten und gelegentliche Reinigung der Hautfalten reichen in der Regel aus.
- Ausgeglichenes Wesen: Trotz ihres kräftigen Erscheinungsbilds ist die OEB in ihrem Grundwesen ruhig und freundlich – bei guter Sozialisation ein angenehmer Begleiter im Alltag.
Herausforderungen der Old English Bulldog
- Eigensinn und Sturheit: Die OEB ist intelligent, trifft aber gern eigene Entscheidungen. Eine ruhige, souveräne Führung und konsequente Erziehung mit positiver Verstärkung sind unerlässlich – Hundeerfahrung ist hier klar von Vorteil.
- Gelenkgesundheit: Hüftdysplasie, Ellbogendysplasie und Kreuzbandrisse gehören zu den häufigeren Gesundheitsthemen. Achte auf einen verantwortungsvollen Züchter, der seine Zuchttiere auf Gelenkerkrankungen untersuchen lässt, und halte das Gewicht deines Hundes im gesunden Bereich.
- Körperbetontes Spiel: Die kräftigen Hunde spielen nicht gerade sanft. In Familien mit kleinen Kindern kann das zu Problemen führen – ältere Kinder kommen besser mit dem robusten Spielstil zurecht.
- Rechtliche Besonderheiten: Die Old English Bulldog ist in Deutschland kein Listenhund, kann aber aufgrund ihres Erscheinungsbilds und ihrer Verwandtschaft zu gelisteten Rassen in einzelnen Bundesländern von Behörden kritisch eingestuft werden. Informiere dich vor der Anschaffung über die geltenden Bestimmungen in deinem Bundesland.
Unser Fazit
Die Old English Bulldog richtet sich an erfahrene Hundeeltern, die einen eigenständigen, charakterstarken Vierbeiner zu schätzen wissen. Wer mit Geduld, Konsequenz und viel Zuwendung arbeitet, bekommt einen loyalen Begleiter mit unverwechselbarer Persönlichkeit.
Was die OEB besonders macht, ist die Verbindung aus Bulldoggen-Charme und sportlicher Fitness. Sie vereint das freundliche, gelassene Wesen der Bulldogge mit deutlich mehr Beweglichkeit und Gesundheit – ein Hund, der wirklich am Leben teilnimmt und nicht durch seinen Körperbau eingeschränkt wird.
Für Familien mit älteren Kindern kann die Old English Bulldog ein wunderbarer Begleiter sein – vorausgesetzt, sie wird konsequent erzogen und früh sozialisiert. Die Erziehung erfordert Hundeerfahrung und eine souveräne Hand: Wer mit Druck oder Lautstärke arbeitet, kommt bei dieser Rasse nicht weit. Positive Verstärkung und Beziehungsaufbau stehen im Vordergrund. Weniger geeignet ist die OEB für Erstbesitzer ohne Hundeerfahrung, für Menschen mit sehr eingeschränktem Zeitbudget oder für Haushalte, in denen der Hund regelmäßig lange allein bleibt. Auch wer einen besonders gehorsamen, leicht lenkbaren Hund sucht, wird mit der eigenwilligen OEB nicht glücklich.
Häufige Fragen zur Old English Bulldog
Ist die Old English Bulldog ein guter Anfängerhund?
Die Old English Bulldog ist eher kein Anfängerhund. Sie bringt viel Kraft und Eigensinn mit und braucht eine erfahrene, konsequente Führung. Wer als Erstbesitzer unbedingt eine OEB möchte, sollte eine gute Hundeschule besuchen und sich intensiv mit der Rasse beschäftigen.
Wie viel Bewegung braucht eine Old English Bulldog?
Die OEB braucht täglich mindestens ein bis zwei Stunden aktive Beschäftigung – Spaziergänge, Spieleinheiten und Kopfarbeit. Sie ist deutlich bewegungsfreudiger als die Englische Bulldogge, aber kein Langstreckenläufer. Moderate, abwechslungsreiche Auslastung ist ideal.
Kann man eine Old English Bulldog in der Wohnung halten?
Ja, bei ausreichend täglichem Auslauf ist Wohnungshaltung möglich. Ein Haus mit Garten ist zwar ideal, aber nicht zwingend notwendig. Wichtiger ist, dass du genügend Zeit für gemeinsame Aktivitäten und Spaziergänge einplanst.
Ist die Old English Bulldog ein Listenhund?
Die OEB ist in Deutschland grundsätzlich kein Listenhund. Aufgrund ihres Erscheinungsbilds und ihrer Verwandtschaft zu gelisteten Rassen kann sie in einzelnen Bundesländern jedoch von Behörden kritisch bewertet werden. Informiere dich vor der Anschaffung über die Landeshundegesetze in deinem Bundesland und lass dir vom Züchter vollständige Abstammungspapiere geben.
Wie unterscheidet sich die Old English Bulldog von der Englischen Bulldogge?
Die OEB ist die sportlichere, gesündere Variante. Sie hat längere Beine, eine weniger verkürzte Schnauze, weniger Hautfalten und deutlich weniger Atemprobleme. Im Wesen ist sie aktiver und bewegungsfreudiger, teilt aber den freundlichen, treuen Grundcharakter der Bulldogge.
Wie alt wird eine Old English Bulldog?
Die Lebenserwartung liegt bei 9 bis 14 Jahren – damit lebt die OEB im Schnitt deutlich länger als die Englische Bulldogge mit 8 bis 10 Jahren. Eine gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und regelmäßige tierärztliche Vorsorge tragen zu einem langen, gesunden Hundeleben bei.
